Donnerstag, 29. August 2013

Granny Squares Poncho

Granny Squares: ähnlich wie Patchwork dient diese unglaubliche Erfindung, Material-Reste, in diesem Falle Wolle, zu etwas Wunderschönem zu verarbeiten. Da nun der Herbst naht, und die Temperatur am Abend einstellig wird, dachte ich mir, ein Poncho wäre doch was Feines, um mich warm zu halten. 


Knapp 3 Knäuel Wolle gemischt mit Mohair (feinste, weiche Ziegenwolle) standen zur Verfügung, d.h., ca. 3x 180 cm an Fadenlauf. Wenn man eine Breite von 40cm stricken würde, ergäbe es eine Länge von ca. 90cm bis 1m... es würde auf jeden Fall ein kleinerer Poncho, mit genug Freiraum für die Arme, da ich ja so viel mit Händen arbeite... 



Letztendlich wollte ich doch lieber häkeln. Die Granny Squares faszinieren mich seit April diesen Jahres. Und jetzt ist es Zeit, sich ran zu wagen. Es gibt sie, die "Squares", oder Quadrate in verschiedensten Variationen. Einfarbig, oder mehrfarbig, sie sehen entzückend aus. So komplex es am Anfang wirkt, es handelt sich doch nur um bekannte Maschen: feste Maschen, Luftmaschen und Stäbchen. Es ist wie ein Koch-Rezept, man setzt sich hin, mit etwas Zeit, folgt der Anleitung, und schon ist ein Quadrat fertig. Danach ist Routine. 

Wie Ihr oben auf den Fotos seht, habe ich den Design nach und nach "hin gelegt".

Es sieht doch romantisch aus, sehr englisch, ländlich, sehr feminin...



Tja, und weil es so schnell ging, und die Squares wirklich bezaubernd aussehen, habe ich doch gleich einen neuen Design ausprobiert. It's the Granny-Squares-Maniac. Mals sehen, ob das Experiment als Untersetzer endet oder wo es mich noch hinführt. 




P.S. Bei Anfragen gebe ich gerne Anleitung weiter. 

Donnerstag, 22. August 2013

Was ist ein Künstlertreff?

Oder: Meet the creator in you

Viele sehnen sich nach mehr Kreativität in ihrem Leben. "Es muss doch noch etwas Anderes geben... (als die Routine)" Geld (Mangel) ist Argument Nr. 1, dicht gefolgt von "Zeit" (Mangel), um doch noch an seinen wahren Wünschen vorbeizugehen. 

Um kreativ zu sein und zu bleiben, muss man tatsächlich ab und an aus der Routine brechen, selbst wenn man schon kreativ tätig ist. D.h., radikal und mit Vergnügen alles stehen und die Seele baumeln lassen. Irgendwie haben wir das verlernt seit Anbeginn des Industrie-Zeitalters. Begriffe, die sonst für Maschinen und Automaten verwendet werden, finden nun auch in Bezug zum Menschsein wieder. Wir sind zu sehr gewohnt, zu "funktionieren", an "reibungslosen Ablauf"... was ist mit Unberechenbarkeit? Mit Lust und Laune? Mit Wundern?

Wie oft unterdrücken wir diese inneren Impulse, die uns letztlich zu mehr Freude führen (würden), und vergraben uns in Arbeit und das, was wir "kennen". Und wundern uns irgendwann, warum immer alles gleich ist. 

"Künstlertreff" (aus "Der Weg des Künstlers" von Julia Cameron) ist eine Übung, wie wir das Kreative, den Schöpfer in uns, wieder aktiviert, etwa wie einen vernachlässigten Muskel. Sie wird auch als "Brunnen auffüllen" bezeichnet, d.h. wir tanken dabei Energie auf. Diese Übung zeigt vor allem, dass weder Geld noch Zeit gegen das Kreativ-Sein spricht. 

Es ist eine Verabredung mit dir selbst. Zeit und Ort bestimmst du selbst. Gehe tief in dich hinein und frage, spüre hin, worauf du wirklich Lust hast. Fange im Kleinen an. Fange im Hier und Jetzt an. Sei sehr praktisch, was lässt sich leicht und sofort realisieren. Das Kreative in einem mag nicht, hinweg getröstet zu werden, es ist schon zu oft hintergangen worden (kein Geld, keine Zeit). Und mache es allein, nur du, mit dir selbst, für dich.

Ein ausgedehntes Bad mit Kerzen und Duftessenzen ist ein Künstlertreff, ein Spaziergang, ganz allein, oder einfach 15 Minuten lang die Augen schließen und nichts tun, nicht einmal die Stille lauschen. Was wolltest du schon immer Mal ausprobieren? 

Ich bin letzter Woche mit ein paar Euros in der Hosentasche losgezogen. Ich wollte unbedingt zu einem indischen Lebensmittelladen gehen. Natürlich sagte der Verstand, Neiiiiiin, da gibt es doch nichts (was ich nicht schon zu Hause habe)... ich blieb standhaft und folgte meinem Impuls. Das lernt man auch im Laufe der Zeit: folge deinem Impuls, gehe deiner Neugierde nach. Der Verstand wird den Verstand verlieren, und das ist gut so. 



Es war ein schöner Spaziergang in der Sonne. Natürlich kannte ich schon das Meiste aus der indischen Küche, und trotzdem, allein, dass ich alles stehen ließ und einfach loszog, aus einer Laune heraus, das war schon super befreiend. Ich "muss" nichts auf dieser Welt. Na ja, und dann, es ergab sich so... unterhielt ich mich mit dem Ladenbesitzer, und er kochte eigenhändig einen indischen Chai für uns. Es war fast ein bisschen so, wie wenn ich verreist wäre, auf die andere Seite der Weltkugel... tatsächlich gab es auf dem Heimweg einen Schritt, da war ich noch 5 Minuten von Zuhause weg, da fühlte ich, wie ich von einer Welt in die andere, in meine Heimat, zurückkehrte. 

Ein paar Souvenirs hatte ich mitgenommen. Die Tees waren überwältigend: aromatisch, dufte, cremig... und die Farben von Indien...  inspirierten mich zu einer Tischkarte, die ich mir schon immer machen wollte: "geniessen".


Ich hätte auch schreiben können: 20x kauen bei jedem Biss. Doch darum geht es nicht, nicht um eine Zahl, die man aus medizinischen Gründen erfüllen muss. Der Künstlertreff oder das Brunnen Auffüllen trainiert einen sicherlich auch darin, etwas mehr inne zu halten, aufmerksamer zu werden, und dadurch achtsamer (wie in Zen-Buddhismus), empfindsamer. Man wird zu einer Schale, empfänglich, für Außen und Innen. Und irgendwann überträgt man diese Aufmerksamkeit in allen, was man tut, nicht nur während der "Auszeit". Und eben auch beim Essen. 


Welche Farben hat das Essen? Welche Konsistenz? Was für Gewürze sind darin? Und was ist das, was auf meiner Zunge so prickelt? Was für Kräuter sind darin, wie schmeckt das Essen mit ihnen und ohne? Mag ich alles vermischen oder lieber jedes für sich schmecken? Ich möchte nicht mehr "schnell, schnell" etwas hinunter schlingen, sondern da sein, in diesem Augenblick, und das Leben mit all seinen Farben, Duft und Geschmack leben. 

"Geniessen" bedeutet für mich auch Dankbarkeit. Dankbar für die Fülle und Kreativität, in dem, was ich empfange, und in der/m Empfänger/In.




Donnerstag, 15. August 2013

Sinn & Sinnlichkeit

In der Welt der Sinne gibt es viel zu entdecken. Samt & Seide, Feder, Spitzen, Perlen... Hauchzartes trifft auf Weiches, Anschmiegsam trifft auf Kitzelndes, Wuscheliges zum hinein Kuscheln, Glitzerndes, um zu strahlen.


Warum ich auf die Idee dieses Beitrags gekommen bin... der Anstoß war ein Brief eines jungen Mannes, zitiert in Hannelore Traugotts Buch "Lilith - Eros des Schwarzen Mondes"(S. 48-52). Darin verdeutlichte er, sinngemäß, den sinnlichen Reichtum der Frauen, dadurch, dass sie sich - schon im frühen Kindesalter - schön machen, schmücken. Den Jungen wird dieser Art Zugang zum eigenen Körper, zu den sinnlichen Entdeckungen und Genüssen verwehrt. Was daraus resultiert, sei eine Entfremdung vom Körper, von Sinnlichkeit, aber auch Mann von Frau. Die Frau bleibe dem Mann faszinierend, aber auch fremd, ein Mysterium, dadurch auch Angst einflößend. 

Ich muss an dieser Stelle auch etwas schmunzeln. Wie oft wünschen sich Frauen von ihren Männern Reizwäsche, oder dass sie, die Männer, sie beim Kleiderkauf begleiten, beraten. Und wie überfordert die ersteren in den Sofas der Läden vor Erschöpfung & Langweile einschlafen.



Als ich selbst auf die Entdeckungsreise ging, hatte ich Freude an der Fülle der Materialien, die uns heute zur Verfügung stehen. Ich achte darauf, dass ich verschiedene Materialien in meinem Kleider-Repertoire wieder finde: Baumwolle, Seide, Samt, Tüll, Spitze, Wolle, ...  Wie gesagt, aus Freude an der Fülle. Auch die Sinnen werden dabei angesprochen und belebt. 

Ganz klar bestimmen heute der Alltagsrhythmus, die Bedürfnisse in der Arbeit sowie in der Freizeit den Kleidungsstil. Viele wunderschöne, kostbare Materialien sind nun Mal weniger strapazierfähig. Auch ich bin so gut wie nie behängt mit Schmuck wie der Weihnachtsbaum. Und doch versuche ich, etwas Besonderes, Sinnliches in meinen Alltag mit einzuweben, sei es auch nur, dass es "irgendwo sichtbar rum liegt", um vor lauter "praktisch, quadratisch, gut" das Leichte, das Sinnliche, die Freude nicht zu vergessen.

Brosche, designed & made by Qing

























Und dennoch, der Brief des jungen Mannes hat mich schon sehr bewegt, inspiriert. Oft habe ich selber daran gedacht, wie schön es ist, eine Frau zu sein, all das Wunderschöne tragen zu können, zu dürfen. Gleichzeitig wünschte ich mir, für meinen Partner etwas zu entwerfen, z.B. schöne Farben, oder Material-Mix, um aus der "Grauzone" herauszukommen, um sich, die eigene Energie und Freude auf dieser Ebene auszudrücken. 

Die Stimme des jungen Mannes hat mir die Augen geöffnet, wo ich noch konform mit manchen gesellschaftlichen Ungleichheit-Denken mitgehe: z.B. dass es nichts dabei ist, oder eher eine Bereicherung für Jungen/Männer, wenn sie die Materialien befühlen können, um die Freude und den Körper zu verstehen, um die Sinnlichkeit zu entdecken. Das schließt z.B. auch mit ein, dass Jungen lange Haare tragen (dürfen), um dieses Sinnliche zu fühlen, und zur Schau zu tragen. Oder sich eincremen, als Ausdruck, liebevoll und sanft mit sich selbst umzugehen.

Dadurch wird die Frau für den Mann auch greifbarer. Mit weniger Angst (aus Unwissen) wird der Mann der Frau entspannt näher sein können. 










Donnerstag, 8. August 2013

70's Revival

Es gibt neue Stoffe in der Stadt... bunte, bedruckte, mit Messages wie "be love", und "You are a ray of sunshine in a world that's sometimes grey. The magic of your company will lighten up the day..."

Kiss, hug, Peace & LOVE.








Ich machte mich gleich an die Arbeit. Der Stoff ist "standfest", also  geeignet für Hosen, Jacken... 

Ich wählte Hose. 3/4 Länge, mit Reißverschluss an der Seite, passend zu 70's Motiv auf dem Stoff.

... und passend zu den neuen Plateau-Schuhen, die zeitgleich zum Stoff mitkommen wollten.

Für Hosentaschen auf der Rückseite suchte ich zwei besondere Motive aus: "be love" und den Kussmund.




Auf arte sind gerade Doku-Reihen über die wilden 70's: Revolution, neues Denken, Befreiung auf vielen gesellschaftlichen Ebenen... und eben auch Spaß, Hose mit Schlag, Sexyness, Plateauschuhe...

Und Andy Warhol, Pop-Art, Farben, wilde Frisuren... 








Freitag, 2. August 2013

Eine andere Welt...

Was ist, wenn es mehr gibt als den äußeren physischen Schein? Was ist, wenn auch etwas wie Geist, oder Energie die Pflanzen beseelt? 

Ganz am Anfang, als ich mit Fotografieren anfing, zeigte ich stolz ein Foto in einer Runde. Eine Bekannte rief aus: aber es ist doch nur Rosmarin. Für manche ist es vielleicht "nur" Rosmarin, Petersilie, "nichts Besonderes"... Was ich aber sah, waren die Farben, die Formen, das Nebeneinander von Scharfem und Unscharfen (im Bild), die Linien, die Struktur... Und etwas Inneres, was sich eben durch diese äußeren Gegebenheiten ausdrückte. Genauso etwas, was das Innere des Betrachters, in dem Falle, ich, bewegte. 


Das obere Bild z.B., besonders in der unteren Hälfte, erinnert mich an die Glasarbeiten von Tiffany, und an die floralen Zeichnungen aus dem Jugendstil. Die geschwungenen Linien dieser Kunst-Epoche, welche die Künstler der floralen Welt entnahmen, symbolisierten etwas Neues, Erfrischendes, Leichtigkeit, Ausbrechen aus den Alten starren Strukturen, und auch etwas Friedvolles. 

Und so ist uns die Natur gegeben worden, nicht nur für das leibliche Wohl, sondern auch zur Betrachtung, Beobachtung, Kontemplation, um etwas von ihnen mitzunehmen, was die Seele erweckt, erfrischt.