Mittwoch, 26. Februar 2014

Grün: Die Erneuerung

Letztens wurde ich gefragt, wie es für mich ist, zwei verschiedene Kulturen, die chinesische sowie die westliche/deutsche, zu kennen. Ich sagte, ich habe mehr Abstand, kann die Stärken und Schwächen der jeweiligen Kulturkreise besser erkennen, und die fabelhaften Seiten für mich mitnehmen.

Später, d.h. neuerdings fällt mir auf, dass, trotz den katastrophalen Zuständen und Unverantwortlichkeit gegenüber der Umwelt/Natur in China, die Kultur selbst jedoch einen sehr starken Bezug auf die Natur hat. Heißt: Man beobachtet die Natur, um einen Hinweis, Weisheit für sein eigenes Leben abzuleiten. 

Was folgt also auf den Januar, wo von der Farbe Weiss, vom Tod als Übergang, vom Loslassen die Rede war? 



Ihr ahnt schon: der Frühling.
Mag die Farbe Weiss Reinheit, Stille und Einkehr symbolisieren. Doch die Natur, das Leben fliesst weiter. Auf Weiss folgt Grün, wo vorher alles grau und tot wirkte, findet das pulsierende Leben, scheinbar aus dem Nirgendwo, seinen Weg ans Licht. 

Heute, wo man alles zu jeder Zeit kaufen kann, hat man vielleicht die Natur, vor allem unsere eigene Natur, und das Wunder aus den Augen verloren. Der Rosmarinzweig denkt gar nicht daran, dass er vielleicht verkocht, oder weggeworfen würde, und es sich deshalb nicht rentieren würde, Wurzel zu treiben… Er treibt einfach Wurzeln aus, das liegt in seiner Natur. 


Und so erneuert sich die Natur, vom Zyklus zum Zyklus. Darin besteht der wesentliche Unterschied im Denken unserer heutigen westlichen Welt und der alten chinesischen. Das Leben ist nicht (nur) linear und berechnet: Geburt, Schule, Ausbildung, Beruf, Rente, Tod. Es ist eine Spirale. Es wiederholt sich nicht. Man steigt nicht zweimal in denselben Fluss. Es entwickelt sich, das Leben will wachsen, auf allen Ebenen, in allen Richtungen. Darin besteht die Flexibilität, die Eigenschaft vom Element Holz, dem Frühling und der Farbe Grün zugeordnet. Das Alte loslassen, um sich zu öffnen für etwas Neues. 

So bleibt das Leben lebendig, spannend, mit immer neuen Überraschungen, Lernen, Erkenntnissen, Erfahrungen und Abenteuern. 

In diesem Jahr ist der Frühling besonders verfrüht, ja um einen ganzen Monat. Die Wärme, die Sonne, alles lädt ein, das Rigide, das Eingefrorene aufzutauen, um mit Mut und Freude ins Leben zu tanzen. 


Mittwoch, 19. Februar 2014

Ein Hauch Arabien...

… in München, mitten in der schmalen Karlstraße, bei ca. Nr. 55, zwischen klobigen, anonymen Wohngebäuden und billigen Essbuden… wirklich keine Touristen-Attraktion, wo Autos eher durchfahren, um auf die große Seidlstraße abzubiegen, den Zubringer auf alle wichtigen Orte im Zentrum Münchens.  


Ich entdeckte diesen Laden, eben beim Durchfahren, denn die Straße führt zu einem der Stoffgeschäfte, die ich aufsuche. Ich erinnere mich an den Duft des Frischgebackenen, als ich vorbei fuhr (mit dem Fahrrad). Zwei Männer sassen draußen, vor dem Laden, und machten gerade Pause. Ihre entspannten Gesichtsausdrücke waren ein schöner Kontrast zu dem Hektik gleich ein paar Blöcke weiter. Ich wurde neugierig. 


Das erste mal holte ich drei Fladenbrote auf dem Heimweg. Sie waren so lecker. Ich erinnere mich an meine Studenten-Zeit… wo ich im Wohnheim oft kaum Kochgelegenheit hatte… und so kaufte ich mir Fladenbrot, 2 bis 3 köstliche Dips, dazu frische Gurken, Tomaten… später kamen andere Ideen dazu...

Es war schön, für kurze Momente in eine andere Welt einzutauchen. Die Männer waren konzentriert, sorgfältig, liebevoll und freundlich, ja sogar sanft. Niemand sprach, alle waren völlig versunken… 



Sie zeigten sich sehr erfreut, dass ich Fotos von ihnen machte. Gingen jedoch schnell zurück in diese meditative Ruhe, um mir ebenso konzentriertes Arbeiten/Fotografieren zu ermöglichen. 


Ich staunte über alles: unter anderen auch über diesen Brot-Ofen… und ich mochte die Einfachheit, im Brot, in der Bäckerei, in den Menschen… es war wohltuend wie ein Zen-Garten… und so real wie das tägliche Brot.


Die Bäckerei ist fast täglich geöffnet, da sie viele arabischen Lebensmittelgeschäfte, Imbisse sowie Restaurants beliefert. Für bescheidene 30 Cent gibt es ein leckeres Fladenbrot frisch von Hand und Ofen.


Um wie viel mehr schmeckt das Essen doch, wenn man den Menschen dahinter kennt.